Kolpingsfamilie Kevelaer

von 1905 bis 1955


Die ersten 50 Jahre:

Gegründet wurde die Kolpinggruppe am 21. Mai 1905 von Herrn Pfarrer Bertram Brockes  im Saale
" Hof von Holland".

 

Kolping -Erbe und Auftrag-; So verstanden es schon unsere Väter, die auf Einladung von Pfarrer Bertram Brockes am 21. Mai 1905 zur Gründerversammlung des Gesellenvereins in den Saal "Hof von Holland" gekommen waren. Kaplan Gieben informierte über die Zielsetzung des Kath. Gesellenvereins, orientiert am Gedankengut Adolph Kolpings. Der damalige Bürgermeister von Kevelaer, Karl Marx, bekundete für die politische Gemeinde und die Bürger Kevelaers große Sympathie für den neuen Verein. Er sprach den Wunsch aus, dass der Verein in der Bürgerschaft reiche Unterstützung finden möge.                                

Zum ersten Präses des Vereins wurde im Oktober 1905 Kaplan Gieben ernannt. In Abstimmung mit dem ersten Senior ( heute Vorsitzender) Schloszaszek wurde Lehrer Hoever erster Vizepräses. Zur Gründungsversammlung zählte der Gesellenverein 158 Mitglieder. "Entweder ganz oder gar nicht", diesen Grundsatz hatten sich die Gründungsmitglieder auf die Fahne geschrieben. Es folgte eine erfreuliche Entwicklung des Vereinslebens, dass sich noch durch ein neues Vereinsheim verstärkte.
Die Einweihung erfolgte am 11. Januar 1906 auf einem Anwesen vom Schmied Leo an der Amsterdamerstraße. (siehe Foto oben)
Nun standen dem Gesellenverein Kevelaer Möglichkeiten zum Aufbau eines Aus- und Weiterbildungszentrums für Handwerksgesellen zur Verfügung. Es wurden Fachabteilungen für Buchbinder, Schreiner, Schlosser, Freihandzeichner gegründet. Im Februar 1906 trat die neu gegründete Theaterabteilung erstmals im Vereinssaal vor größerem Poblikum auf. Mit einer Fachausstellung 1910 überzeugte die Schreinerabteilung durch handwerkliche Leistung. Gemeinsam mit dem Turmverein wurde der Kath. Gesellenverein tätig zur geistigen und körperlichen Vorbereitung von Rekruten. Am 10. Dezember 1911 übernahm Kaplan Karl Kamps das Amt des Präses. Im Juli 1914 verstarb das älteste Mitglied des Vereins, Anton Reinermann. Er war Fassbinder und gehörte zu den ersten sieben Gesellen, mit denen Adolph Kolping im Mai 1849 den Kölner Gesellenverein gegründet hatte. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 und in den folgenden Kriegsjahren wurde auch der Kevelaerer Gesellenverein in seinen Grundfesten erschüttert. Der Ruf vieler Mitglieder zum Militärsdienst hatte unübersehbare Folgen für das Vereinsgefüge. Im Juni 1918 waren von 150 Mitgliedern 120 einberufen. 39 Mitglieder kehrten nicht mehr nach Hause.

In dieser schweren Zeit des Krieges gelobten die Gesellenvereine des Niederrheins eine jährliche Wallfahrt zur Gottesmutter nach Kevelaer. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte die alljährliche Wallfahrt der Kolpingsfamilie des Niederrheins zur "Trösterin der Betrübten" am 1. Mai.

Die Nachkriegszeit bis zum "Dritten Reich"

Der Vorstand, Präses Friedrich Reidick und die Gesellen in Kevelaer brachten den Verein schnell wieder auf eine beachtliche Höhe. Als einer der Letzten kehrte der Kolpingssohn M. Ingenpaß am Neujahrsmorgen 1921 nach mehr als vierjähriger Gefangenschaft in Sibirien in die Heimat zurück. Neue Fachabteilungen wurden gegründet. Vorbereitungskurse zur handwerklichen Meisterprüfung unter Leitung des Lehrers Bourgois fanden große Resonanz. Es wurden Weiterbildungskurse in Deutsch, Buchführung und Stenografie angeboten. 26 Mitglieder des Gesellenvereins legten im Anschluss an die Weiterbildungsmaßnahmen mit Erfolg ihre Meisterprüfung ab. Im Mai 1922 wurde zu Ehren und im Gedenken an die gefallenen Mitglieder eine Gedenktafel enthüllt, ein Meisterstück des ehemaligen Seniors Anton Leuker. Der Lehrer Wirriger wurde wegen Erkrankung von Vizepräses Hoever dessen Nachfolger. Der hoch verdiente Vizepräses Hoever starb am 19. Dezember 1923.

In diesen Jahren erlebte die Theaterabteilung eine neue Blütezeit. Im Dezember 1923 führte sie das Stück "Im Hungerjahr" auf. Mit dem Erlös wurde die Suppenküche unterstützt.

1924 trauerte der Gesamtverband um den verstorbenen Generalpräses Franz Hubert Schweitzer. Sein Nachfolger Theodor Hürth nahm 1925 zum erstan Mal an der Kevelaer-Wallfahrt teil. Anfang der zwanziger Jahre begaben sich viele Kevelaerer Handwerksgesellen zur beruflichen Weiterbildung auf Wanderschaft. Ab dem Jahr 1926 hatte Andreas Kern die Leitung der erfolgreichen Theater-und Gesangsabteilung. Für seine Verdienste um die Weiterbildung junger Mitglieder wurde er zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Sein unerschütterliches Eintreten für die Kirche und die freie Meinungsäußerung musste er nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit dem Verbot der Berufsausübung bezahlen.

Nach über zehnjähriger Tätigkleit verließ Präses Kaplan Reidick im Jahr 1929 den Gesellenverein. Sein Nachfolger wurde Kaplan Wilhelm Görtz. In ihm erlebte der Verein einen Präses, der in Wort und Schrift Hervorragendes leistete. Er war unter anderem Autor zweier Bühnenstücke: "Der heilige Satan" und "Die Jüdin von Sufa", die beide in Kevelaer uraufgeführt wurden.

Am 10. und 11. Mai 1930 feierte der Kath. Gesellenverein sein 25-jähriges Jubiläum. In der Festveranstaltung wurden 21 Jubilare geehrt.

Im Jahr 1931 war der Gesellenverein 175 Mitglieder stark. Er beherbergte und betreute im selben Jahr 168 durchreisende Gesellen. Im Jahr 1931 wurde Kaplan Heinrich Siemons Nachfolger von Präses Görtz. Der neu gegründete Meisterverein stand unter Leitung von Theo Wilbers.

Am 29. September 1931 erhielt der Gesellenverein ein neues Haus im Lang'schen Anwesen. Der Verein leistete hier beispielhafte Arbeit in der Betreuung jugendlicher Erwerbsloser und in der Fürsorge für arbeitslose Gemeindemitglieder. Viele materielle Hilfen wurden vermittelt.

Das "Notwerk der deutschen Jugend", 1933 gegründet, nutzte die gute Arbeit der Fachabteilungen im Gesellenverein Kevelaer. Am 28. Januar 1933 wurde Kaplan Franz Dahlkamp Nachfolger von Kaplan Siemons als Präses des Vereins.

Schwere Zeiten standen Deutschland nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bevor. Der Kreisparteileiter Hamacher deutete die Bildungsarbeit des Gesellenvereins als regimefeindliche Maßnahme; scharfe Kontrollen der Tätigkeiten im Gesellenhaus und im Priesterhaus wurden angedroht.

Im Juni 1933 nahmen 22 Mitglieder aus Kevelaer am Gesellentag in München teil. Kolping zeigte hier unerschütterlich Flagge in Deutschlands schwerer Zeit.

Im Oktober 1933 wurde aus dem Gesellenverein die Kolpingsfamilie. Im Rahmen dieser Neuordnung stellte sich der Verein als familienhafte Gemeinschaft Gleichgesinnter gegen das die Menschenwürde verachtende Nazi-Regime.

Nach dem Rücktritt des Lehrers Wirriger als Vizepräses des Vereins - er hatte sich besonders um die Ausbildung des Berufsnachwuchses verdient gemacht - wurde Mathias Ingenpaß zum Nachfolger ernannt. Im Zuge der Neuformierung im Kolpingverband händigte Senior Theo Hax am Kolping-Gedenktag 1933 an 123 Gesellen, 91 Meister und 11 Altmitgliedern die so genannte Stammkarte (heute Mitgliederausweis) aus. Altsenior in dieser Zeit war Jakob Görtz und Vorsitzender der Meistergruppe Theo Wilbers.

Trotz der Erschwernisse für religiös geprägte Gemeinschaften durch die Nazis herrschte Mitte der dreißiger Jahre ein reges Vereinsleben. Ein stärkendes, beeindruckendes Erlebnis hatten 60 Kolpingbrüder, die 1934 für die zurückgebliebenen Menschen im Lager des Reichsarbeisdienstes in Kevelaer eine eindrucksvolle Weihnachtsfeier mit Liedern und Gaben gestalteten.

Es spricht für die Standhaftigkeit und besondere Vitalität der Mitglieder vor Ort, dass niemand es wagte, den Gesellenverein zu beseitigen, obschon einschneidene Verbote die Ausübung der Vereinsarbeit stark beeinträchtigten. Als Zeichen der Solidarität und Verbundenheit mit den Kolpingbrüdern in Deutschland pilgerten im Juli 1935 rund 500 Kolpingsöhne aus Holland nach Kevelaer.

Ab 1936 bedurften alle Veranstaltungen der Zustimmung durch die Partei. Das Gesellenhaus war ständig mit Parteiveranstaltungen belegt. Während das Vereinsleben nach außen hin zum Erliegen kam, festigte sich das Gemeinschaftsbewusstsein durch Treffen in kleinen Gruppen als Bollwerk gegen die Übermacht der Nazi-Tyrannei.

Es folgten immer einschneidendere Aktionen, zum Beispiel das Verbot, Vereinsabzeichen wie die Kolpingnadel zu tragen, das Verbot zum Mitführen der Vereinsfahnen und das Verbot von religiösen und Berufsbildungsmaßnahmen in den Vereinen. Kaplan Franz Dahlkamp, eine starke Persönlichkeit und ein überzeugter Vertreter der Ideen und des Programms Adolph Kolpings, was chrstliches Familienleben und Staatsverständnis betrifft, war für die Kevelaerer Kolpingsfamilie eine große Stütze. Sein Nachfolger als Präses wurde 1938 Kaplan Erich Bensch.

Der zweite Weltkrieg forderte aus den Reihen der Kolpingsfamilie 21 Menschenleben. Fünf Mitglieder wurden nach dem Ende der Kriegshandlungen noch vermisst.  Die Liebe und Treue zu Adolph Kolping, gefestigt in den Herzen der Mitglieder, war Band und Meilenstein auf dem Weg der Hoffnung auf bessere und friedlichere Zeiten.

Die Kolpingsfamilie nach 1945

Die erste Versammlung nach dem Krieg fand im März 1946 unter Leitung von Kaplan Bensch im Hotel Stassen statt. Gesellenhaus und Jugendheim waren von Bomben zerstört worden: es gab keinen Stuhl, kein Blatt Papier mehr. Aber ein wichtiges Symbol war gerettet worden: das Kolpingbanner. Fachkurse wurden begonnen, die Gesangabteilung blühte wieder auf. Das Hotel "Zum Weißen Kreuz" wurde neues Vereinslokal. Neuer Vizepräses wurde Theo Hax, neuer Senior Theo Heckens und Altsenior Mathias Ingenpaß.

Der Erlös einer großen Weihnachtsfeier im Dezember 1947 wurde für Zuwendungen an Witwen und Kriegsverletzte weitergegeben. Die Theatergruppe erstand neu. Sieben Mal in Folge führte sie im Herbst 1947 das Stück "Der Schmied von Kevelaer" von Theodor Bergmann auf.

Im März 1948 bezog die Kolpingsfamilie als Vereinslokal das Hotel "Dreikönige". Frau Adele Aengenheyster erhielt wegen ihrer Aufgeschlossenheit und großen Unterstützung der Vereinsarbeit - sie stellte großzügig Räumlichkeiten in ihrem Haus zur Verfügung - den Namen "Gesellenmutter".

Am 24. Juni 1949 starb Dechant Wilhelm Holtmann, Pastor von Kevelaer und Ehrenmitglied der Kolpingsfamilie. Durch seinen engagierten Einsatz für den Erhalt des christlichen Glaubens in verworrener Zeit hat Dechant Holtmann Großes geleistet. Sein Nachfolger als Pastor wurde Heinrich Maria Janssen, später Bischof von Hildesheim, der zeitweise auch die Kolpingsfamilie betreute.

Die Mitglieder von Kolping leitsteten auch intensive Wiederaufbauarbeiten. So wurde am 19. März 1950 der Grundstein zum Bau der im Krieg zerstörten III. Kreuzwegstation gelegt. Rechtzeitig vor Wallfahrtsbeginn am "Fest Peter und Paul" war die Station fertig und wurde dem Dechanten Pfarrer Janssen übergeben.

Im Oktober 1950 nahm Präses Kaplan Bensch Abschied von Kevelaer. Er war gerade in den schweren Kriegsjahren für die Kolpingsfamilie aufopfernd tätig und starker Halt gewesen. Als neuer Präses wurde dann am 19. April 1951 Kaplan Josef Siemen eingeführt.

Für die große Marientracht im Jahr 1951 fertigten fachkundige Kolpingbrüder die Trage für den Marienschrein.

Im Jahr 1953 stellte die Kolpingsfamilie für die Opfer der Flutkatastrophe im Nachbarland Holland den Erlös eines Spendenaufrufs zur Verfügung und Kolpingbruder Anton Leuker stiftete im selben Jahr eine Statue des heiligen Josef, des Schutzparton des Kolpingwerkes.

1955 - das 50-jährige Vereinsjubiläum

In einem gemeinsamen Festakt mit der KAB und dem KKV beging die Kolpingsfamilie am 16. Januar 1955 im Filmhof der Stadt Kevelaer ihr 50-jähriges Vereinsjubiläum. Der Chor der Kolpingsfamilie unter Leitung von Karl Dingermann gab der Veranstaltung einen festlichen Rahmen. Bei dieser Gelegenheit wies Senior Theo Hax auf die im Jahr 1953 begonnene erfolgreiche Blutspendeaktion hin.

Die Vereinsführung in den wichtigen Jahren des Wiederaufbaus und der Festigung der Vereinsarbeit lag in den Händen von Präses Kaplan Josef Siemen, Altsenior Gerd Kaenders und Senior Theo Wehren. Es galt, der Kolpingsfamilie im Wandel der Zeit neue Impulse zu geben. Erfreulich gut entwickelte sich die Jugendarbeit. Handwerkliche, religöse und allgemein bildende Kurse wurden angeboten und vielfach genutzt. Gemeinsam ging es auf große Fahrt zum Teutoburger Wald, nach Rüdesheim, zur Tischlerfachschule nach Detmold, nach Amsterdam und zur Weltausstellung nach Brüssel. 

 von 1956 bis 1980

Im Jahr 1956 stellten der neue Präses Kaplan Norbert Hoffacker und Senior Willi s Simmes den Antrag an die Stadt, eine Straße "Kolpingstraße" zu nennen, mit Erfolg.Das Ringen um ein eigenes Kolpinghaus wurde im Laufe  der Jahre zu einem Dauerbrenner. Unklare und nicht schlüssig belegte Besitzverhältnisse in der Vergangenheit; Enteignung durch das Hitler-Regime und anderes ließen den Wunsch nach einem Vereinsheim unerfüllt.

Unter Senior Theo Verhülsdonk wurde im Jahr 1959 ein "Kreis junger Familien" gegründet. Die Bildungsarbeit und das gesellige Leben erhielten dadurch neuen Aufschwung. Die Theaterabteilung wurde unter der Leitung von Hans Fedke wieder aktiv. Nach der Verabschiedung von Präses Kaplan Hoffacker, wegen seiner Passion für das Gitarrenspiel der "Musikus" genannt, übernahm Theo Hax 1960 die Aufgaben eines Präses. Er leitete auch die Wallfahrt nach Köln zum Grab Adolph Kolpings. Am Tag des traditionellen Josef-Schutz-Festes übernahm Kaplan Otto Hlinetzky das Amt des Präses. Schon am Kolping-Gedenktag 1961 musste der neu gewählte 21. Senior der Kolpingsfamilie, Franz Josef Nahen, ihn nach kurzer Amtszeit wieder verabschieden. Neuer Präses wurde Kaplan Franz Josef Küpper und der Neupriester Fra-Günther Aengenheyster übernahm für einige Zeit die Stellvertretung des Präses.

Im Hinblick auf die wachsende Zahl der Bildungsangebote durch öffentliche Einrichtungen konzentrierte sich die Arbeit der Kolpingsfamilie auf religiöse und allgemein bildende Themen. Bei dem alljährlich auf Bezirksebene stattfindenden Fußballturnier überreichte 1961 der neue Bezirkssenior Theo Verhülsdonk der Kevelaer Kolping-Mannschaft den Siegerpokal.

Im März 1964 konnten Präses und Senior eine große Anzahl junger Mitglieder der Pfarrgemeinden St. Antonius und St. Marien zur Neugründung einer Jungkolping-Gruppe begrüßen.

Ein herausragendes Ereignis für die Kolpingsfamilie war die Priesterweihe des ehemaligen Seniors Theo Wehren im Jahr 1965. Zum Dank fand im gleichen Jahr die Wallfahrt nach Köln zum Grab Adolph Kolpings statt; die Reisegruppe der Kolpingsfamilie Kevelaer füllte zwei Busse. Generalpräses Monsignore Heinrich Fischer und der Hauskaplan der Minorittenkirche assistierten dem Neupriester bei der Eucharistiefeier. Im selben Jahr löste Franz Josef Nahen Theo Verhülsdonk als Bezirkssenior ab. Unter seiner Leitung fand im Oktober 1966 ein kommunalpolitischer Abend statt. Bürgermeister Plümpe, Fraktionsvorsitzender Dierkes und mehrere Ratsmitglieder nahmen an der Veranstaltung teil. Themen wie Gewerbeansiedlung, Rathauserweiterung, Bau eines Leichenhauses, Verkehrsprobleme der Innenstadt, Sozialleistungen der Stadt und andere führten zu einem lebhaften Gedankenaustausch.

Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte sich auf Kreisebene eine konzentrierte Bildungsarbeit für die Kolpingsfamilien des Bezirks. Von dem Berufsschullehrer und Kolpingsohn Hans Pickers aus Geldern erhielten die Berufsbildungsmaßnahmen starke Impulse. Unter dem neuen Vorsitzenden Hubert Hugenberg, Altsenior Karl Kamps, Senior Hans-Peter Eskes und dem 1967 zum Bezirkspräses ernannten Kaplan Franz Joef Küpper gehörten kommunalpolitische Diskussionsabende zu den festen Programmpunkten der Vereinsarbeit. Bildungsabende befassten sich mit Themen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Entstehung von Pfarrkomitees und die anstehenden Schulreformen waren weitere Bereiche. Sieben Mitglieder der Kolpingsfamilie wurden bei der ersten durchgeführten Wahl in die Parrkomitees der beiden Gemeinden gewählt.

1968 fand in Essen der Katholikentag statt, an dem die Kolpingsfamilie mit einer größeren Gruppe teilnahm. Im selben Jahr übernahm Kaplan Franz Ysermann das Amt des Präses. Er rief mit dem neu gewählten Senior Edmund van Kempen die in der Öffentlichkeit viel beachteten Aktion "Nachbarschaft" ins Leben; man beschäftigte sich intensiv mit aktuellen Themen aus Kirche und Leben vor Ort.

Die von den Jungkolping-Gruppen durchgeführten Altkleider-Sammlungen für die "Dritte Welt" waren ebenso erfolgreich wie die Veranstaltungen für Jugendliche im "Heidelberger Fass" und bei Scholten. Im Jahr 1971 nahm die Kolpingsfamilie zum ersten Mal mit einem eigenen Festwagen am Rosenmontagszug teil. Auch übernahm sie die Organisation und die Durchführung des Kinderferienlagers auf der Insel Ameland. Im Jahr 1972 wurde mit maßgeblicher Hilfe der Kolpingsfamilie die Altenhilfe "Essen auf Rädern" ins Leben gerufen. Mit großem materiellen und personellen Einsatz baute die Kolpingsfamilie einen Abenteuerspielplatz für bedürftige Kinder. Gleichzeitig mit der Einführung von Präses Kaplan Hans Büren trat Hubert Hugenberg sein Amt als neuer Senior an. In den Jahren 1972 bis 1974 führten die Kolpinggruppen Zeltlager in Zyfflich, im Sauerland und an der Mosel durch. Das selbst gestaltete Erntedank-Fest  gehörte ebenso wie der Emmaus-Gang am Ostermontag und das Sommerfest zu den festen Veranstltungen im Vereinsleben eines Jahres.

In Folge der Satzungsänderungen des Zentralverbandes des Kolpingwerkes wurde das Amt des Seniors und des Altseniors zusammengefasst und in das Amt des Vorsitzenden umbenannt. In Kevelaer übernahm 1975 Heinz Josef van Aaken dieses neue Amt.Ab 1976 beteiligte sich die Kolpingsfamilie regelmäßig an der Gestaltung der Pfarrfeste beider Kevelaerer Pfarrgemeinden.Während einer der gemeinsamen Bildungsveranstaltungen mit der  KAB wurde Präses Kaplan Büren verabschiedet.

1972 wurde ein "Kreis junger Familien" gegründet, der sich seitdem regelmäßig zu gemeinsamen Veranstaltungen und Zusammenkünften trifft.Eine erlebnisreiche Fahrt der "Jungen Familien" führte 1978 nach Lutzerath. Die Ferieninsel Ameland war eines der nächsten Ziele. Leiter des Familienkreises: Johann Hoolmann, Hubert Hugenberg, Rudi Fischer und seit Januar 1999 Karin Koppers.

Unter dem neuen Präses Kaplan Heinrich Seegers zeigte die Kolpingsfamilie 1976 einen seltenen Dokumentarfilm über das "Ende des Zweiten Weltkrieges am Niederrhein" und den "Widerstandskämpfer Karl Leisner" . Weitere Höhepunkte des Jahres waren der Dichterabend mit Theo Hax und die Besichtigungsfahrt zum Braunkohlekraftwerk Jüchen mit einem abschließenden Besuch der Brauerei Krombach. Tanzkurse für Ehepaare und Kochkurse, einmal für Männer und einaml für Ehepaare, bereicherten das Bildungsangebot des Vereins. Einen  handwerklichen Beitrag leistet die Kolpingsfamilie durch den Bau eines Baldachins im Marienpark zum Gelingen des großen Fatima-Kongress im Jahr 1977.

Die jährlich stattfindenden Besinnungstage im Priesterhaus wurden ebenso wie der gemeinsame Kreuzweg in der Karwoche zu festen Terminen im Vereinsleben.

Wie die Jungkolping-Gruppe und der Familienkreis wurde die Seniorengruppe mit ihrer regen Tätigkeit zu einem tragenden Element, 1978 unter Leitung von Heinrich Heckens.

Ende der siebziger Jahre zählte die Kolpingsfamilie Kevelaer rund 250 Mitglieder.

1980 -das 75-jährige Jubiläumsjahr

Hauptfesttag des Jubiläums war der 12. Oktober 1980. Er begann mit einem Gebet an der  Gnadenkapelle. Dem Festhochamt in der Pfarrkirche St. Antonius folgte ein Festakt im Bühnenhaus. Als Festredner sprach der Bundestagsabgeordnete Adolph Müller zum Thema" Famile und Arbeitswelt". Die Festwoche endete am 18. Oktober mit einer heiligen Messe für die Lebenden und Verstorbenen des Vereins, zelebriert von den ehemaligen Präsides der Kolpingsfamilie Kevelaer in der Kerzenkapelle. Im Anschluss zogen die Teilnehmer in den Marienpark zur Schutzmantelmadonna und beteten für die in beiden Weltkriegen verstorbenen Mitglieder. Im Gedenken an die Gefallenen legten die Kolpingbrüder einen Kranz nieder. Zum Ausklang des Jubiläumsjahres trafen sich Mitglieder und Gäste in froher Runde im Bühnenhaus zu einem Handwerkerball in Zunftkleidung.

1980 bis 2005

Im ernsten Jahr nach dem Jubiläum, im Jahr 1981 wurde Kaplan Günter Hüls neuer Präses der Kolpingsfamilie. Im selben Jahr wurde Ursula Voß als erste Frau in den Verein aufgenommen. Das Vereinsleben nach dem Jubiläum war besonders gekennzeichnet durch gute Erfahrungen und das Erleben einer prägenden familienhaften Gemeinschaft.

Wie damals, so auch heute, sind die zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten eingebunden in Jahresprogramme. Themenschwerpunkte und Fragen zur organisatorischen Abwickelung der Unternehmungen werden im Einzelnen im Vorstand und in den Gruppen des Vereins beraten und festgelegt. Jährlich wiederkehrende, feste Bestandteile im Programm eines Jahres sind unter anderem: religiöse Besinnungsabende in der Fastenzeit und im Advent, der Einkehrtag im November, der Gang des Kreuzswegs am Karfreitag, die Familienwanderung am Ostermontag, die Wallfahrt der Kolpingsfamilien des Niederrheins am 1. Mai, der Erntedank-Gottesdienst, der "Tag der Treue" der Snioren, die Adventsfeier und der Gebetsruf vor Ort im Rahmen der überregionalen Gebetswoche im Internationalen Kolpingwerk.

Zum allgemeinen und geselligen Teil des Jahresprogramms gehören Bildungsveranstaltungen mit religösen Themen und Vorgaben, Veranstaltungen zu Themen aus Politik und Gesellschaft, Lichtbildervorträge, die Teilnahme an überregionalen Bildungsveranstaltungen, Wallfahrten wie die nach Köln zum Grab Adolph Kolpings, Fahrradtouren, Zeltlager "Vater und Sohn" auf Bezirksebene und die aktive Beteiligung an den Pfarrfesten in beiden Gemeinden der Stadt.

Hervorzuheben sind die sozialen Dienste, die von Männern und Frauen übernommen werden. Hierzu gehören unter anderem die Krankenbesuche, die Rollstuhl-Ausfahrten älterer Mitbürger aus den Altenheimen, diverse Sammelaktionen und die Bereitstellung der finanziellen Erlöse für soziale Projekte in Kevelaer und für die Missionsarbeit.

Seit 1980 stellt die Kolpingsfamilie jährlich Geld zur Verfügung für die "Aktion St. Nikolaus" und die Frühförderstelle, für die Arbeit von Bruder Michael Schmitz in Ghana und für das von Schwester Rita Schiffer geleitete Krankenhaus in Attat in Äthiopien.

Alle Veranstaltungen auf Vereinsebene im Rahmen von Jahresprogrammen unterliegen einer zeitnahen Überprüfung und werden auf ihren Wert hin hinterfragt. Derzeit gehören Turniere wie Fußballspiele und auch Karnevalsveranstaltungen nicht zum festen Programm eines Jahres. Dagegen haben Seifenkistenrennen und Drachenfestivals einen Stammplatz im Angebot der Jungkolping-Gruppen bekommen. Die Maiandachten, die in Kirchen und Kapellen der näheren Umgebung gehalten werden, finden anhaltend guten Zuspruch.

1986 wurde die Gaststätte "Goldener Schwan" neues Vereinslokal, das das Hotel "Dreikönige", seit 1948 Vereinsheim, von seinem Besitzer aufgegeben wurde.

Die III. Kreuzwegstation, die 1950 nach der vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg von der Kolpingsfamilie wieder aufgebaut worden war, wurde 1987 renoviert.

Die Beteiligung an der Großveranstaltung aus Anlass des Besuchs von Papst Johannes Paul II in Kevelaer am 2. Mai 1987 war überaus groß. Rund 6000 Kolpingmitglieder von nah und fern mit ihren Fahnenabordnungen hatten sich zu diesem außergewöhnlichen, beeindruckenden Ereignis versammelt.

Am 4. Dezember 1987 trat die Theatergruppe, die eine lange Tradition hat, mit dem Lustspiel "Ein harmonisches Haus" auf die Bretter, unter Leitung von Rudi Fischer. 1992 wurden nach fünfjähriger Pause unter der Regie von Heinz Peters wieder Stücke aufgeführt. Auch im Jubiläumsjahr 2005 wurde die Gruppe weiter aktiv.

Ab 1988 war Kaplan Günter Lube Präses der Kolpingsfamilie, bis er im Jahr 1990 als Pastor nach Harsewinkel wechselte.

Bei der Jahreshauptversammlung am 10. Dezember 1989 wurde Hubert Hugenberg zum Vorsitzenden gewählt. Peter Tebest wurde zum Kassierer gewählt. Mit kurzen Unterbrechungen führt er die Kasse in bekannter Zuverlässigkeit

Bei der Erntedank-Feier am 21. Oktober 1990 konnte der Vorsitzende Hubert Hugenberg Kaplan Martin Peters als neuen Präses begrüßen.

Aus den wandernden Gesellen der Gründerzeit mit berufsbildenden Hintergrund sind heute "mobile Reisegesellschaften" geworden. Erster Höhepunkt dieser Entwickelung war 1985 eine Busreise mit 75 Personen zu einem Familienwochenende auf die Insel Ameland. In den folgenden Jahren schlossen sich Reisen nach Lutzerath und Bleialf in der Eifel an.

Ab 1991 wurden mehrtätige Gemeinschaftsfahrten zur festen Einrichtung im Vereinsleben. Mit Reiseleiter Hubert Hugenberg ging es 1993 nach Bamberg, 1995 nach Rostock/Rügen,1996 nach Suhl/Weimar, 1997 Passau, 1998 Titisee, 1999 Harz/Bad Harzburg, 2000 Südtirol/Pfalzen, 2001 Bayrischer Wald/Grafenwiesen, 2002 Norddeutschland/Sterdebühl, 2003 Kärnten/ Egg, 2004 Stettin/Masuren, 2005 Bad Reichenhall.         Seit 1996 bietet die Kolpingsfamilie jährlich Tagesausflüge an. Dabei unter anderem die Opelwerke in Bochum, das Freilichtmuseum Münster, das Osnabrücker Land, die Schiffswerft in Papenburg, die Schalke-Arena, der Bundestag in Bonn, der Landtag in Düssesldorf, Limburg an der Lahn, Brüssel und der Flughafen Düsseldorf besichtigt.

Als Gemeinschaftswerk von KAB und Kolping wurde in 1991 die XI. Kreuzwegstation, gleichzeitig "Kapelle der Arbeit", eingeweiht. Der von der Kolpingsfamilie zu erbringende Anteil der Geldmittel für den Bau der Kapelle wurde unter anderem aus dem Erlös von Altkleider-Sammlungen erzielt. Auch in den Folgejahren konnten gute finanzielle Ergenisse, je Aktion bis zu zehn Tonnen- erzielt werden.

Ein großer Tag für das Internationale Kolpingwerk war der 27. Oktober 1991; Adolph Kolping wurde in Rom von Papst Johannes Paul II selig gesprochen. Der Tag begann in Kevelaer mit einem Gottesdienst. Im Anschluss daran verfolgte eine große Anzahl von Zuschauern gemeinsam die Feierlichkeiten auf dem Petersplatz, die auf einer Großleinwand in der Begegnungsstätte direkt übertragen wurde.

1992 wurde Kaplan Peter Hennesen neuer Präses und ab 1996 folgte Kaplan Gereon Beese im Amt des Präses.

Ein herausragendes Ereignis für die Kolpingsfamilie folgte mit der Übergabe einer Reliquie des seligen Adolph Kolping am 25. April 1992 in Köln. Auf Initiative von Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln und Freund Kevelaers, vertraute Generalpräses Heinrich Festing die Reliquie acht Deligierten aus Kevelaer an. Das Reliquiar -ein Meisterstück von Goldschmiedemeister und Kolpingsohn Paul van Ooyen- wurde in einen ebenfalls von ihm gefertigten und gestifteten Schrein eingesetzt. Er befindet sich heute im Seitenschiff zwischen Sakramentskapelle und Beichtkapelle. Hier haben nicht nur die Mitglieder des Kolpingwerkes einen besonderen Ort des Gebetes gefunden.

1995 feierte die Kolpingsfamilie ihr 90-jähriges Bestehen.Nach einem gemeinsamen Gottesdienst zu Beginn des Festtages versammelten sich die Mitglieder mit ihren Frauen zum Morgenkaffee mit Büfett im Petrus-Canisius-Haus, Sketche und Tanz sorgten für Unterhaltung und Kurzweil.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gnadenkapelle

Gnadenkapelle in Kevelaer

Priesterhaus

Eingang Beichtkapelle zur Reliquie

Tabernakel

Reliquie von Adolph Kolping